Gestern war ein guter Tag. Strahlender Sonnenschein und die Kinder waren bester Laune als ich sie von der Schule abholte. Nachmittags haben wir ein Picknick im neuen (noch leeren) Haus gemacht und die Kinder haben Fliegenpilze im Birkenwäldchen entdeckt. Abends wurde noch ganz lange auf dem Spielplatz gespielt, bevor es dann ein schnelles Abendbrot vor dem Fernseher (pädagogische Meisterleistung, ich weiß) gab. Alle happy. So sollte das immer sein. Ist es aber nicht.
Ab und zu fließen hier nämlich die Tränen. Die Heimweh-Freunde-Vermissungs-Tränen. Besonders bei der Mittleren. Dabei sind wir doch schon geübt im Vermissen: unsere Familie bzw. Verwandtschaft wird ja schon immer irgendwie vermisst. Auch in Deutschland haben wir stets fernab von unserer Familie gewohnt. Tante, Onkel und Cousine leben in Frankreich und auch Oma und Opa wohnten nicht in der gleichen Stadt. Vielleicht ist es auch deshalb umso schwieriger hier. Jetzt fehlt nicht nur die Familie – jetzt fehlen uns eben auch unsere Freunde, die einen sehr großen Teil unseres Alltags ausgemacht haben. Und unsere weltbesten Nachbarn. Und von den Lieblingskolleg*innen und den Lieblingslehrer*innen der Kinder will ich gar nicht anfangen… Hach, es ist wirklich nicht einfach.
Es ist natürlich nicht so, dass wir in Schweden in völliger Einsamkeit dahinvegetieren. Hier gibt es auch nette Menschen! 🙂 Neue Freundschaften werden geknüpft (und alte leben wieder auf). Wir haben schon einige schöne Nachmittage oder Abende mit „neuen“ Menschen verbracht. Das hilft, das Heimweh etwas zu vertreiben. Aber es ist eben (noch) nicht vergleichbar mit dem Netzwerk, das wir uns in den letzten Jahren aufgebaut haben. So viele tolle Erlebnisse und schöne Erinnerungen müssen hier in Schweden erstmal geschaffen werden.

Am eindrucksvollsten ist mir klar geworden, was dieses ganze Auswandern bedeutet als wir auf unsere Abschiedstour „entführt“ wurden. Unglaublich, wie viele Leute so unbeschreiblich viel Mühe und Herzblut in unseren Abschied gesteckt haben. Ich bin bis jetzt noch ganz überwältigt (und jedes mal den Tränen nahe) wenn ich daran denke. Diesen Nachmittag werden wir nie vergessen. (Dabei muss ich immer an diesen Spruch denken, den uns eine Freundin zum Abschied aufgeschrieben hat: „How lucky am I to have something that makes saying goodbye so hard“. So wahr!)

Und nicht nur bei dieser Gelegenheit hat sich gezeigt, wieviel Glück wir bisher hatten. Wenn ich an die Umzugswoche in Lünen zurückdenke (siehe letzter Blog-Beitrag) kann ich nur wiederholen: wir haben echt die besten Freunde in Lünen zurückgelassen. Ich hatte schon Wochen vor meiner Anreise mindestens fünf Übernachtungsangebote. Da unser gesamter Hausstand ja eingepackt wurde, wurde ich auch reihum zum Essen eingeladen. Als ich ankam stand schon ein Fahrrad für mich bereit, damit ich in Lünen auch mobil sein konnte. Selbstverständlich wurde ich vom Bahnhof abgeholt und nach der Woche wieder hingebracht. Und als das leere Haus dann noch geputzt werden musste, haben sich sofort mehrere gut gelaunte Putzfeen ohne langes Bitten mit sämtlichen Putzutensilien eingefunden. Immer war jemand an meiner Seite, sei zum Helfen, mit einem Korb voller Leckereien oder einfach nur als moralische Unterstützung bei der Hausübergabe. Ich konnte eine Woche lang so richtig „freundschaftsmäßig auftanken“. Danke dafür an euch alle!
Die Kinder konnten aber eben nicht „auftanken“ und ich merke wie sehr sie das vermissen. Sie spielen viel mehr miteinander – das ist schön, aber nicht das Gleiche wie mit ihren Freunden. Ganz langsam stelle ich aber fest, dass sich sprachlich bei allen dreien etwas tut. Und damit haben sie auch wieder viel mehr Möglichkeiten, hier Kontakte zu knüpfen. Bis dahin sind wir einfach innerhalb der Familie füreinander da. Und freuen uns auf den Besuch von Oma und Opa im Oktober. Und auf die vielen Freunde, die uns hoffentlich hier besuchen kommen werden. Ich hoffe, dass so die „sonnigen“ Tage immer zahlreicher und die traurigen Abende immer weniger werden. Ein Anfang ist gemacht: die Mittlere kam heute mit ihrer ersten Einladung zu einer Geburtstagsparty von der Schule nachhause. 🙂
